Nein zum Design
Viele seiner Schöpfungen sind Teil unseres Alltags. Doch auch in Hotels hat matteo Thun seine handschrift hinterlassen – immer gemäß seinem credo „simply beautiful“. Traveller‘s World hat den Stardesigner in Mailand besucht und Überraschendes nicht nur zum Thema Design erfahren.

Kein Zweifel: Der Mann ist allgegenwärtig – von der Espressotasse für Lavazza über die Sonnenbrille für Silhouette, die Uhr für Swatch und den Brotkorb für Alessi bis zur Wellness-Therme in Meran gibt es kaum etwas, dem Matteo Thun in den letzten 30 Jahren keine neue Form geben hat. Er gilt als Alleskönner in der Branche, fast ein Wunderkind: Mit 16 Schüler von Oskar Kokoschka in Salzburg, mit 23 Doktor der Architektur, mit 29 mit Ettore Sottsass Gründer der Gruppe Memphis, die mit progressiven Möbeln Furore machte, mit 31 Professor für Design an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Später machte sich der
Fabrikantensohn aus altem Südtiroler Grafengeschlecht selbstständig. Heute beschäftigt der vielfach ausgezeichnete 55-jährige, der 2004 als Interior Designer in die New Yorker Hall of Fame aufgenommen wurde, rund 50 Mitarbeiter in seinem Mailänder Büro.

Schöpferisch: Matteo Thun gestaltet Dinge und Räume, die uns bewegen

Ein unscheinbarer Eingang, ein verwinkeltes Gebäude mit Innenhof. Drinnen auf zwei Stockwerken ge-schäftiges Treiben, aber kaum spürbare Hektik. Matthäus Graf von Thun-Hohenstein empfängt unspektakulär: weinroter Rollkragen, graue Hose, graues Jackett. Entspanntes Lächeln, offener Blick, ein fester Händedruck. „Dies ist das Arbeitszimmer meiner Frau Susanne, die setzt gerne mit einem Lüster Akzente.“ kommentiert Thun den fragenden Blick zum Kronleuchter. „Mein Zimmer ist schlichter, mit einem Arbeitstisch aus Nuss-baumholz, das sieht man auch. Kein Tisch, der so oft lackiert ist wie dieser hier.“ Materialien sind ihm wichtig, vor allem die Echtheit, wie sich etwas anfühlt. ob es mit Stahlbürsten behandeltes Lärchenholz ist wie im Vigilius Mountain Resort in der Nähe seiner Heimatstadt Bozen, der duftige Naturstoff, mit dem er im Nhow Hotel in Mailand die Garderobe abschirmt, oder die Stabilität von Stühlen in seiner Mailänder Wohnung, die ein unbekannter Fischer aus Ligurien gebaut hat und die das wilde Toben seiner Söhne Constantin und Leopold (heute 20 und 16 Jahre alt) zur Begeisterung des Vaters unbeschadet überstanden haben.

Matteo Thun ist Reisenden bestens bekannt. Unter anderem hat er 2001 den Stahl- und Glaskomplex des Side Hotels in Hamburg entworfen, 2003 Therme und Steigenberger Hotel
in Meran, zuletzt das ultramoderne Nhow Hotel in Mailand. Die Einrichtung für zwei Missoni Hotels plant er gerade, dazu Airport Hotels für Mövenpick und Radisson, ein Facelift fürs legendäre Il Pelicano Hotel in der Toskana und ein „Sieben Sterne Luxushotel“ in Davos.
Das sind alles sehr verschiedene Projekte, wo liegt die Gemeinsamkeit? „Wichtig ist die optimale Rentabilität des Endprodukts. Das gilt für eine Lampe, einen Stuhl ebenso wie für Villen und Hotels.“ Das klingt wenig künstlerisch... „Ich denke unternehmerisch und da steht Wirtschaft-lichkeit an erster Stelle. Für Hotels gilt: Die Auslastung soll nicht bei 55, sondern
bei 85 oder 90 Prozent liegen.“

Der Schüssel zum Erfolg? „Ein Hotel muss eine Seele haben“, erklärt Matteo Thun: „Es geht um das Wohlfühlen. Es ist ein großer Unterschied, ob ich ein Freizeit- oder ein Businesshotel plane. Ein Freizeithotel soll Träume entstehen lassen, mit der Natur, mit der Umgebung.“
Für Geschäftsreisende hingegen ist höchste Effizienz gefragt und ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis: „Da geht es um perfekte Abläufe, schnelles Check-in, gutes Schlafen, gutes Duschen, schnelles Check-out. Deshalb hat es zum Beispiel selbst in einem Vier Sterne Plus Hotel wie dem Nhow hier in Mailand wenig Sinn, in einen Schrank zu investieren. Inzwischen sind die Gäste von meiner Vorhangidee begeistert.“ Immer aber gilt für Matteo Thun: Ein klares Nein zum Design. Der Begriff ist für ihn ein Relikt aus den 80er und 90er Jahren. Wenn das Designhotel tot ist, was lebt?

„Alles was Wohlempfinden schafft. Der Minimalismus der 90er Jahre war der Kult des Blutleeren, inzwischen ist wieder Lebenslust zurückgekehrt. In vielen guten Architektur-Projekten finden Sie Poesie, Irrationalität und Lebensfreude.“ „Simply Beautiful Hotels“
heißt deshalb sein neuestes Projekt. „Ich will Hotels entwerfen, die aus der Sterne-Wertung ausgeklinkt und schlicht und einfach schön sind. Wie die Socken von Gap: Die sind preisgünstig, haltbar und sehen gut aus.“ Matteo Thun unterstreicht seine Worte mit großzügigen Bewegungen. Mit schlanken, sensiblen Händen, die gut zu einem Mann mit Emotionen passen. Auch seine Architektur bezeichnet er als emotional. Unterstützt wird er dabei seit über 20 Jahren von Ehefrau Susanne. Sein „mood-consultant“, wie er sie nennt.
„Sie ist wie ich im Sternzeichen Zwilling geboren, da gäbe es scheinbar jede Voraussetzung
für Ehekrieg. Dem ist nicht so und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Meine Frau ist Architektin, Modestylistin und Grafikerin und übernimmt mit ihrem Know how die "Radarfunktion" in diesem Studio. Sie sagt mir, welche Farbe, welches Thema und Lebensgefühl in drei Jahren für ein neues Projekt nötig sind. Wenn ich ihren Ideen folge,
kann ich nicht prüfen, ob sie richtig oder falsch sind. Also kann ich gar kein Kriegsbeil ausgraben. “Privat hat Ehefrau Susanne bei der Gestaltung der Mailänder Wohnung im Szeneviertel Brera freie Hand und experimentiert mit teilweise gewagten Farb- und Formkombinationen. Ebenso wie im Haus in Celerina im Engadin, wo „out of Africa“-Feeling mit viel Fell vorherrscht. Im dritten Familienwohnsitz auf Capri aber hat sich der Hausherr durchgesetzt:

„Ich liebe weiße Wände, mein inneres Auge ist durch jedes Bild gestört. Ich habe Angst vor jedem Nagel. Zuhause ist für den Vielreisenden dort, wo die Familie ist, Urlaub verbringt er folgerichtig am liebsten nicht in Hotels, sondern in den eigenen Refugien. Gibt es dennoch Lieblingshotels für Privatreisen? „Ja, alle Orte, wo sich die Architektur der Natur unterordnet, am Meer wie im Gebirge. Innere Harmonie ist wichtig, die Seele eines Ortes. Ein Sonnenunter-gang auf den Malediven, ungehindert im Freien, obwohl ich in einer Hütte bin. Schwimmen mit Blick auf den Meereshorizont, obwohl ich in einem Pool bin. In der Freizeit wünsche ich mir von einem Hotel, dass die Architektur in Richtung null und die Natur in Richtung 100 geht.“

Haben Sie auf Reisen ein Hotel kennen gelernt, das Sie selbst gern entworfen hätten? „Das Mercer von Christian Liaigre in New York, das Ritz an der Place Vendôme in Paris, das Sherry Netherland am Central Park South, das Île de France auf St. Barth. Die sind sehr verschieden, ja, aber die Seele des Ortes ist immer perfekt auf den Punkt gebracht.“ Wohnen Sie gerne in von Ihnen entworfenen Hotels? „Nein, nie. als Architekt findet man nur Fehler.
Die werden in der Psyche zu Monstern.“ Und gibt es für den gesuchten und umworbenen Architekten ein Projekt, für das er sich selbst bewerben würde?

„Ja. Ich würde gern ein Hotel für W bei Starwood machen. W hat die Geschichte der amerikanischen Hotellerie in den 90er Jahren neu geschrieben, das Ketten-Gleichmache-Prinzip außer Kraft gesetzt. Es war die erste Kette, die im Rezeptionsbereich eine Bibliothek entworfen hat. Im W am Broadway treffen sich jeden Abend Tausende von Menschen zur Happy Hour in einem Hotel - das ist fantastisch.“

Leitsatz Ihrer Architektur ist: Ich bin das Echo, nicht das Ego. Das Echo wofür?
„Für die Nachhaltigkeit. Ich bin in den Bergen geboren. Wenn Sie da irgendwo nach jeman-den rufen, kommt ein sehr schönes Echo zurück. 1952 habe ich den Planeten Erde in einer bestimmten Konstellation vorgefunden. Ich möchte ihn am Ende meines Lebens nicht in einem schlechteren Zustand an meine Kinder weitergeben. Für mich als Architekten bedeutet das nicht das Ego ins Zentrum zu stellen als Ersatz für die Natur.“ Zum Schluss schicken wir Sie
auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, wohin geht es? „Ins 13. Jahrhundert – als Assistent
von Brunelleschi, um an der Kuppel des Domes von Santa Maria del Fiore in Florenz mit-bauen zu dürfen....“

Matteo Zhun
Matteo Thun schafft und liebt Design-Klassiker: Im RAR Chair von Charles und Ray Eames kann der bodenständige Südtiroler entspannen. Auch sonst ist er ausgeglichen, hält sich jeden Morgen mit Pilates fit. Und bewegt sich gerne in der Natur – sie ist ihm Kraftquelle und Inspiration. Ob er am Meer ist oder in den Bergen, der Blick in die Weite ist ihm wichtig –
und ein Leitmotiv seiner Architektur. Und wenn man es bei ihm eher nicht vermutet –
Matteo Thun mag’s schon mal richtig schnell: Am liebsten rast er nämlich im Cresta-Schlitten .
..

.... lesen Sie mehr im Heft

Text: Claudia Bette-Wenngatz

zurück zum Umblättern

 

























 
 
 
 
 
 
 
 
     
 

Wallfahrt nach Schottland

Wenn es einen Himmel auf Erden gibt – für Golfer liegt er in Schottland: Dort, wo Golf begann, gibt es noch immer die besten Plätze. Wir pilgern nach St. Andrews


Natürlich gehen wir jeden Sonntag in unsere kleine Kirche. Sie ist nicht alt, aber als man sie baute, haben sich Architekten und Handwerker große Mühe gegeben. Niemand wurde hier heilig gesprochen; Gebote werden befolgt, aber nicht aufgestellt. Wir fühlen uns gut, wenn
wir hingehen, darin und danach. Aber die spirituelle Berührung, seien wir ehrlich, die fehlt ein bisschen. Betreten wir dagegen den Petersdom, wogt die Seele. So wie vielen Katholiken hierzulande geht es auch den Golfern: Sie spielen auf den heimischen Wiesen, die oft ordentlich sind, aber nicht großartig. Mit Hingabe angelegt, aber selten mit genius loci. Zum Beten reicht es. Aber nicht für Erleuchtung. Auch Golf ist eine Religion, und wie alle anderen hat sie ein Zentrum. So wie Mekka für Muslime oder die Abbey Road für Beatles-Fans.
Ihr Nabel heißt St. Andrews. Eine Reise dorthin ist immer eine Wallfahrt, die jeder Golfer einmal im Leben gemacht haben sollte

Starten wir am Loch Lomond. Ein See im Nordwesten von Glasgow, der größte Süßwassersee im Vereinigten Königreich. Sagenhaft schön. Aber erzählen Sie einem Golfer von Loch Lomond und er wird das Naturwunder reduzieren auf ein paar Hektar am Ostufer. Ein paar Hektar, bedachtsam hergerichtet vom US-Stararchitekten Tom Weiskopf und liebevoll gepflegt für das schönste Spiel der Welt. Das hier nur ein paar wenige Clubmitglieder spielen dürfen. Und selbst die bitte nicht so oft. Um den Platz zu schonen, verlangen die Statuten des Loch Lomond Golf Club, dass die Mitglieder Mitglied in einem anderen Club sein müssen, wo sie bevorzugt ihrem Hobby nachgehen sollten. Natürlich dürfen sie nach
Loch Lomond kommen, wann immer sie wollen. Aber eben nicht so oft.

Erzählen Sie Ihrem Golffreund also, dass Sie dort spielen möchten, und er wird Sie fragen, wie Sie das machen wollen. Eine sehr berechtigte Frage. Er ahnt ja, dass Sie keine Tourkarte besitzen, die Sie mit einem der Top-Turniere dieses Sports nach Loch Lomond brächte.
Ihre einzige Chance also ist, von einem der Mitglieder eingeladen zu werden. An dessen
Seite erleben Sie einen Parkland-Kurs von geradezu erdrückender Perfektion. Der dreimalige Masters-Champion Nick Faldo hält ihn schlicht für den besten auf den Britischen Inseln.
Und in einschlägigen Rankings landet er immer wieder unter den Top 50 weltweit.

Ab diesem Sommer aber bekommt der Ausnahmeplatz Konkurrenz. Gleich nebenan, am Südwestufer des Loch Lomond, baut der kanadische Designer Doug Carrick 18 Bahnen. „Bauen“ ist vielleicht etwas prosaisch. Der Platz wird eher um den See und seine Lagunen herumdekoriert, seine Löcher hineingelegt in einen Park von erlesener Schönheit – eine Anlage von amerikanischer, geradezu „hollywoodesker“ Grandezza. Darin wird The Carrick, wie
der Platz etwas unbescheiden nach seinem Schöpfer heißen wird, der Schöpfung von Tom Weiskopf gleichen: eine von der Natur gesegnete Anlage, die gleichwohl manikürt wirkt, definitiv unwild und eben sehr, sehr exklusiv. Mit anderen Worten, ein perfektes Bild dessen, was Golf geworden ist in all den Jahren.
Auf jeden Fall ein großer Schritt weg vom Ursprung. Weg von dem Territorium, auf dem vor hunderten von Jahren die Menschen begannen, dieses herrliche Spiel zu erfinden. Einfache Menschen wohl, die ihr trübes Treiben mit etwas Müßiggang aufzuhellen gedachten.

Zwischenfrage: Sollten wir deshalb, weil Golf zu Anfang – und in Schottland bis heute – auch Sache der Arbeiterklasse war, in einfachen Pilgerherbergen schlafen? Ach was, es geht ja hier überall auch gediegen, superkomfortabel, mit sagenhaftem Service und unsagbar teuer.
Erstes Beispiel: das Westin Turnberry, fotogen an der schottischen Südwestküste 45 Minuten von Glasgow gelegen und ausgestattet mit einem Postkartenblick auf den Ailsa Craig, eine Inselkuppe im Meer, perfekt wie ein Jungmädchenbusen. Der ehemalige Verbannungsort für verfehlte Mönche lieh seinen Namen auch dem Championship Course des Resorts, der verlässlich unter den Top 20 der Welt gehandelt wird.


Zweites Beispiel: Gleneagles, Zwischenstation auf dem Weg an die Ostküste, ein verdammtes Paradies der Freizeit. Doch wir wählen das palastartige 5-Sterne-Anwesen an den südlichen Ausläufern der Highlands, seit Menschengedenken Ausflugsziel der britischen Aristokratie, nicht wegen der glänzenden Angebote für Reiter, Falkner, Schützen, Offroad-Piloten oder Fischer.
Wir besuchen Gleneagles wegen seiner vier Plätze.

Zwei davon, vor bald 100 Jahren vom fünfmaligen British-Open-Sieger James Braid angelegt, hüpfen als King’s und Queen’s Course über torfigen Boden. Ein dritter, The PGA Centenary, neueren Datums und dem genialen Schöpfergeist eines Jack Nicklaus entsprungen, wird 2014 Gastgeber des bedeutendsten Ereignisses im internationalen Golfsport sein, des Ryder Cup. Der „Golden Bear“ nannte das Stück Land einmal „das schönste weltweit, mit dem ich jemals arbeiten durfte“.

Man möchte ewig bleiben. Und doch: Sind wir wegen dieser Art Weltklassegolf nach Schottland gereist? Nein, es drängt uns an die Küste. Hin zu einem Platz, der an Geschichte bereits mehr aufbietet als wir unser ganzes Leben erleben durften. Auf nach Muirfield, Heimat der Honourable Company of Edinburgh Golfers, des ältesten Golfclubs der Welt. Auf zur Königsdisziplin dieses Sports: Golf direkt an der Küste, mitten in den Dünen, wo sich die Stimmungen des Meeres – ungefiltert durch Bäume oder Sträucher – ins Spiel einmischen,
wo das Rough dicht ist und der Ginster so struppig, dass er verschossene Bälle nur in Ausnahmefällen freigibt. Linksgolf! Das ist vor allem: ein Spiel mit und in der Natur. Die ist hier eindrucksvoll. Aber nicht lieblich. Sondern rau und mächtig und schön. Manch einer kommt zurück aus dem Gelobten Land des Golfsports und schwärmt, er sei eins gewesen
mit den Elementen. Was für ein Quatsch.

Die Elemente spielen mit uns. Unberechenbar. Und geradezu atemlos. Manchmal peitscht der Regen, als wolle er die Haut perforieren. Dann wieder schießt die Sonne so laserartig grell zwischen den schwarzen Wolken hervor, dass sich das Fairway vor uns mit all seinen Wellen und Pottbunkern in strahlendes Licht auflöst. Es gibt Böen, die einen buchstäblich abheben lassen. Und natürlich mit der kleinen weißen Kugel anstellen, was sie wollen. Der Landungsort eines Luftballons, ausgesetzt bei Windstärke 12 irgendwo mitten im Atlantischen Ozean, ließe sich leichter berechnen. Linksgolf ist niemals eine alltägliche Erfahrung. Sondern ein Erlebnis, mit dem der Golfer zurückgeworfen wird auf die Ursprünge allen Seins, auf die Schöpfung.
Ist Golf in Schottland also unter anderem auch deshalb so großartig, weil der Golfer hier die Macht Gottes spürt?

Besonders in Carnoustie. Hier ist sie besonders unbarmherzig. Der Championship-Kurs, gleichsam der zerklüfteten Küste abgetrotzt, lässt einem schon beim bloßen Anblick das Blut in den Adern gefrieren. Fegt aber der Wind über den Platz, wird die Runde zum Nerven zerrenden Glaubenstest. Die besten Spieler sind an Carnoustie verzweifelt. Unvergessen der Einbruch des Franzosen Jean van de Velde, der bei den British Open 1999 an der 18 in Carnoustie seinen scheinbaren sicheren Drei-Schläge-Vorsprung mit einem wahnsinnigen Triple-Bogey versiebte. Dass dann der Schotte Paul Lawrie nur mit sechs Schlägen über Par gewinnen konnte, bestätigt Carnousties Ruf als härtester Linkskurs der Welt.

Eingenordet und zurechtgestutzt trotten wir dann endlich ins eigentliche Heilige Land des Golf, das Königreich von Fife. Das ist klein. Von West nach Ost, wo es mit wilder Küste auf den tosenden Atlantik trifft, misst es gerade mal 70 Kilometer. Die nordsüdliche Ausdehnung, eingezwängt zwischen Firth of Tay und Firth of Forth (Lispler sind in dieser Bucht eindeutig
im Vorteil), ist noch geringer. Klein ist das Reich und doch eine riesige Schatzkammer.
Voll mit smaragdfarbenen Edelsteinen, die am schönsten rund um das traditionsreiche Universitätsstädtchen St. Andrews funkeln, und einem Kronjuwel: dem Old Course.

Schon Mitte des 16. Jahrhunderts gestattete der Stadtrat seinen Bürgern, den Küstenstreifen für „golfe, futeball, shuting and all games“ zu nutzen. Seitdem weht hier, neben heftigem Wind und vernichtenden Stürmen, auch der Atem der Geschichte. Selbst wenn die betreffenden Bahnen erst in jüngster Zeit angelegt wurden. Kingsbarns etwa ist laut Datenblatt ein – allerdings dramatisch schönes – richtiges Baby. Gerade eben, im Jahr 2000, geboren. Doch die Chronisten vermelden schon 1793 von Schotten geschossene Bälle in denselben Dünen, über die sich jetzt der Platz und gut zahlende Golfer winden. Ähnliches darf für die ebenfalls jungen Plätze des südöstlich der Stadt auftrumpfenden Fairmont Hotels angenommen werden. Intuitiv ehrfürchtig jedenfalls gestaltet sich die Runde auf dem erst 2001 fertig gestellten Torrance Course. Und weiche Knie bekommen wir erst recht auf den einschüchternd engen Fairways des New Course. Das muss man sich einmal vor-stellen: Da haben die Schotten einen Platz „neu“ genannt, den sie 1895 anbahnten. Zu einer Zeit, als es in unseren Breitengraden bestenfalls überhaupt erst 18 Fairways gab. Zu einer Zeit aber eben auch, da auf dem Gelände des old Course bereits über zwei Jahrhunderte Golf gespielt wurde.
Der old Course ist so einzigartig, so legendenumwoben, so umweht von Bedeutung, Aura und Anspruch, dass sich nur völlig Ahnungslose oder mutwillige Ketzer die Frage stellen, wie gut dieser Platz eigentlich ist. Klar, der Platz ist toll. Heilig. Die Kathedrale des Golf. Nicht allein deshalb, weil in seinem mausoleumsartigen Clubhaus die Männer des Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews über die Regeln wachen, die ihre Vorgänger vor Urzeiten aufgestellt haben. Etwa die, dass eine Golfrunde über 18 Löcher geht. 1764 haben sie das fest-gelegt. Und nun möchten wir auf diesen 18 Löchern bestehen. Unser allerbestes Golf abliefern.
Auf einem Platz, von dem der ehemalige Ryder-Cup-Kapitän Mark James meinte, der erste Fehler, den man hier mache, sei der, überhaupt aufzutauchen. Wie gesagt: Die unberechenbare Wetterlage – und die Aufregung! – rückt ein klägliches Scheitern jederzeit in den Bereich der Möglichkeiten. Selbst wenn das vorausgesetzte Handicap von 24 eigentlich nahe legt, dass man das Spiel in seinen Grundzügen beherrscht. Zu beachten auch: Wer hier abschlägt, wird beobachtet. Zwar nicht von Zuschauermassen wie bei einem der ganz großen Turniere. Aber ein paar Gaffer sind immer da. Und die sind kenntnisreich. Denn rein rechtlich ist der old Course ein öffentlicher Park. Der vor allem von Einwonern von St. Andrews frequentiert wird. Die allesamt sozusagen mit dem Golfball in der Tasche geboren werden. Alles in allem: Wir schlagen uns ordentlich. Haben den ein oder anderen Bunker getroffen. Nur einer Handvoll Bällen Lebewohl gesagt. Einen dem Swilkan Burn überantwortet.
Und uns bei tief stehender Sonne fürs Erinnerungsfoto auf die Swil-kan Bridge gesetzt.
Das Herz hat gepocht. Die Seele war glücklich. Ist St. Andrews’ old Course also der schönste Platz der Welt? Eher nicht. Aber ist St. Peter etwa ....

 

... lesen Sie mehr im Heft 

 

zurück zum Umblättern

 
     
     
 
 
 
 
 
 
 
 
     
 

I´am the Jam

Was er anpackt, hat Stil: GORDON CAMPBELL GRAY gehören einige der schönsten Hotels der Welt. Traveller’s World hat ihn in London besucht.

Sehr sophisticated wirkt er, als er die Suite im One Aldwych betritt. Raumfüllend und dennoch unauffällig. Helle Haare, wache, stahlgraue Augen, ein sanftes Gesicht, ein fester Händedruck. Cremefarbener Maßanzug, offenes Hemd, edle, mokkabraune Schuhe. Das Outfit ist eins mit dem Styling seines Hotels: Perfektes Understatement, beste Materialien, nichts Lautes, nichts Überflüssiges, alles am richtigen Platz.

„How can it be smart to be like every-one else?“ fragte Gordon Campbell Gray unlängst in einem Leitartikel der Financial Times in London. Die These scheint ebenso ungewöhnlich wie die Tatsache, dass ein Hotelier an derart prominenter Stelle nach seiner Meinung gefragt wird. Dass daraus ein Plädoyer für Individualität wurde, hat nur die-jenigen verwundert, die weder Gordon Campbell Gray noch seine Hotels ken-nen. Was macht einen konservativ er zogenen, schottischen Fabrikantensohn zu einem der innovativsten Hoteliers Europas, der mit nur einem Hotel – dem One Aldwych in Londons fashionablem Theater-District – mehr Aufsehen erregte als so manche internationale Luxushotelkette? Was machen Sie anders als andere, Herr Campbell Gray?

Als ich mit 18 mit der Familie zum Lunch in ein Country Hotel fuhr, stell-te ich fest, dass nichts stimmte, weder das Dekor, noch das Essen. Da beschloss ich Hotelier zu werden. Zum Entsetzen meines Vaters, der meinte, man steigt in Hotels ab, aber man arbeitet nicht darin. Aber ich hatte ein Ziel: ein eigenes Hotel, nicht trendy, sondern klassisch modern. Umweltbewusst, mit erstklassigem Service und zeitgemäßem Design. Mit Details wie interessanten Kunstobjekten, bester Bettwäsche und Blumen-arrangements, einer guten Leselampe, der besten Air Condition. Nichts Offen-sichtliches. Nach meiner Defnition muss wahrer Luxus eher unsichtbar sein.“

Ein Ästhet, ohne Zweifel. Sensibel, nicht unnahbar, aber distanziert. Geschieden, kinderlos, ohne Altersangabe. GCG kommt aus seinem Haus in Londons Nobelviertel Belgravia, gestern war Sonntag, ein Tag, an dem er meist seine Uhr auszieht, das Telefon abstellt, Stille braucht, um seine Gedanken zu sammeln. „So schaffe ich mir meine eigene Auszeit. Zum Innehalten, zum Nachdenken. Gerade jetzt, nach einer Woche voller Hektik und Geschäftigkeit ...“

Womit wir bei Ihren neuen Plänen wären... „Ja, es tut sich so viel. Vor acht Jahren habe ich das One Aldwych in London erö?net, vor zweieinhalb Jahren das Carlyle Bay auf der Karibikinsel Antigua. Dazwischen bekam ich unzählige Angebote, aber ich hab mir Zeit gelassen. Die braucht man einfach, um die DNA eines Hotels zu kreieren. In-zwischen arbeiten wir an mehreren Pro-jekten gleichzeitig: als Management Gesellschaft übernehmen wir schon bald das Duke Hotel, St. James, in London und eines in Sussex. Ein Schloss in Schottland ist im Gespräch. 2007 wollen wir ein Hotel in Beirut eröffnen. Eine tolle Lage, ein großartiges Stadthotel. Das Design, das ich wie in London und auf Antigua mit Mary Fox Linton zusammen entwickelt habe, ist fast fertig: sehr sexy, sehr sophisticated, eine Cigar Lounge, ein Open Air Restaurant mit Blick über die Stadt. Wenn die politische Situation wieder stabil ist, wollen wir unter den Ersten sein, die dort präsent sind. 2008 folgt dann das Blue City Hotel im Oman: ein moderner, weißer Palast, unsere zeitgemäße Interpretation von islamischer Architektur. Wir verwenden viel Naturstein, viel Glas.“

Wer ist eigentlich wir, will ich wissen. Ein fast schüchternes Lächeln. „Wenn ich ´wir’ sage, meine ich mein Team. Aber gleichzeitig auch mich“, antwortet Gordon Campbell Gray. „Es mag arrogant klingen, aber ich weiß, was wirklich gut ist. Dennoch ist es natürlich nicht ´mein’ Hotel oder ´mein’ Design. Das ist immer Teamarbeit, mit dem Manager, dem Designer, dem Hotelpersonal. Sie sind das Brot und die Butter, ich bin die Marmelade.“ Und Marmelade entscheidet letztendlich über den Geschmack… „Ja, ich bin ein Autokrat in der Verkleidung eines Demokraten. Dabei extravagant und als Schotte gegen jede Form von Vergeudung. Das bedeutet auch Umweltbewusstsein: In meinen Hotels gibt es ein erstklassiges Wasseraufbereitungssystem, keine Chemie, nur ökologisch einwandfreie Produkte. Ich mag kein Hühnchen, das mit Hormonen vollgepumpt ist, meine Gäste sollen es auch nicht essen. Alles ist echt und daher einfach. Niemals protzig, sondern pur, perfekt und unaufdringlich. Wenn etwas richtig ist, ist es richtig. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist intelligent.“ Die Intelligenz scheint anzustecken. Seine Hotels sind ständig ausgebucht, Erfolg misst er an der erstaunlich hohen Zahl der Gäste, die immer wiederkommen.

Weil ein GCG Hotel nicht nur zeitgemäß schick ist, sondern Atmosphäre hat; relaxed wirkt, Kultiviertheit ausstrahlt,ohne aufdringlich zu sein. Am liebsten sitzt Gordon Campbell Gray unerkannt in der Halle seines Hotels. Ein elegant gestylter Gentleman, den man am ehesten für einen Künstler halten könnte. Er schaut sich um und kommt – acht Jahre nach der Eröffnung – zu dem Ergebnis: Alles ist noch genau richtig, die weißen Säulen, die mini-Ein weiteres Credo: Geld allein macht nicht glücklich. „Viel Geld zu verdienen war nie meine Hauptantriebsfeder. Ich will schöne Dinge kreieren, auf die ich stolz sein kann. Und die dann hoffentlich auch erfolgreich sind. Vor allem mag ich keine Kopien. Mein bestes Jackett aus der Saville Row habe ich zum Schneider in Hongkong gebracht. Was dabei heraus kam, habe ich nie getragen, weil es sich nicht richtig anfühlt. Das Problem ist, dass eine Kopie immer eine Kopie bleibt und nie so gut sein kann wie das Original. Und Originale kann man nicht in Masse produzieren. Große Maler können auch nicht Bilder am Fließband produzieren...“ Wobei wir bei Gordon Campbell Gray als Kunstexperte und Sammler wären. 350 Originale hat er für das One Aldwych selbst ausgesucht, einige Bilder sind von ihm gemalt. „Aber keiner weiß, welche es sind, es wäre schrecklich, wenn man sie nur aus Höflichkeit gut finden ..

.... lesen Sie mehr im Heft 

zurück zum Umblättern

 
     
     
 
 
 
 
 
 
 
 
     
 

GIPFEL DER GENÜSSE

GULASCHSUPPE, GERMKNÖDEL UND CO SIND SCHNEE VON GESTERN. HEUTE GILT AUCH AUF DEN BERGEN FEINKOST ALS DAS HÖCHSTE.

Eine halbe Hand voll Kaviarkügelchen, wilder Räucherlachs aus schottischen Gewässern, feinste Foie Gras mit einem Preiselbeerkleks. Dazu ein Kübli Veuve Cliquot aus kältebeschlagenen Kelchen. Man wähnt sich in einem Pariser Edelbistro. Und tafelt in Wirklichkeit mit Blick auf das markante Profil der Corviglia, einer der bestbesuchten Bergspitzen in der feudalen Graubündner Gipfelwelt. Der haubengeeichte Hausherr heißt Reto Mathis und zählt zu den innovativen Pistenprofis, wenn es um Schlemmeradressen im Schnee geht. Es gibt im fashionablen St. Moritz imer mehr Wintersport-Gäste, die gar nicht erst so tun, als wollten sie sich auf schwarzen Pisten profilieren, sondern gleich in Pelz und Prada-Brille eine Gondelfahrt machen, um das besondere Flair dieses Feinschmeckertempels auf 2486 Meter Höhe zu genießen. „Mathis Food Affairs“ ist am 29. Januar 2007 nicht von ungefähr Austragungsort der Dynamite Opening Party, mit der das 14. St.Moritz Gourmet Festival beginnt, zu dem sich jedes Jahr Spitzenköche aus ganz Europa treffen. Es ist kein Geheimnis: Rund 100 Jahre Wintersport in den Alpen haben das Leben in den Bergen vollkommen verändert. Aus einfachen Familienpensionen mit Gästezimmern ohne Bad wuchsen kleine, feine Luxushotels im Schnee – mit allem erdenklichen Komfort. Einfache Käsebrote und minutenschnell gewärmte Gulaschsuppen als Quintessenz des guten Lebens sind endgültig Schnee von gestern. Die Brotzeiten auf den Berghütten können sich heutzutage als Schlemmer-Schmankerl sehen lassen. Und auf den Gipfeln und in den Tälern tummeln sich immer mehr hoch dekorierte Küchenkünstler, um das Leben am Rande der Pisten so perfekt und so verführerisch wie möglich zu gestalten. Während Maitre Mathis zu den schillernden Figuren der Feinschmeckerelite im Schnee zählt, blüht Stefan Hofer eher im Verborgenen. Obwohl ein Fußball-Kaiser, ein singender Abfahrtskönig und ein Tennis-Champion zu seinen Stammgästen zählen, steht der Kitzbüheler „Neuwirt“ nicht auf der Hitliste der Haubenlokale in den Alpen. Hinter der traditionell-tirolerischen Fassade des Schwarzen Adler setzt die Hoteliersfamilie Harisch vielmehr auf absolutes Understatement. Schlichte Holzelemente in weichen Schilftönen drosseln die traditionelle Alpenromantik in den behaglichen Sitzecken der drei Tiroler Stuben, und Schwarz-Weiß-Bilder aus den abfahrtssiegreichen fünfziger und sechziger Jahren erinnern daran, dass das gediegene Familienhotel im Zentrum von Kitzbühel seinerzeit Elternhaus von Olympiasieger Ottmar Schneider war. Zum Prinzip Understatement passt auch der Auftritt des eher bescheiden wirkenden Küchenchefs, der allerdings keinen Grund hat, sein von Saison zu Saison heller strahlendes Licht unter den Sche?el zu stellen: 2002 honorierte der Gault Millau sein Können mit zwei Hauben und im vergangenen Jahr folgte als weitere Bestätigung ein Stern im Koch-Olymp des Guide Michelin. Unter dem Motto „klein, aber sehr, sehr fein“ bietet der Neuwirt Platz für maximal 60 Feinschmecker, die hier allabendlich liebevoll bekocht werden. Wer genau weiß, was er will, ordert à la carte. Wer neugierig auf Neues ist oder einen besonderen Grund zu feiern hat, überlässt sich der Kreativität des Küchenchefs in einem der saisonal wechselnden Degustationsmenüs. „Unsere Gäste reisen durch die ganze Welt, haben viele Vergleichsmög-lichkeiten und sind dementsprechend anspruchsvoller denn je“, erklärt Stefan Hofer. Er weiß, wovon er spricht, denn er hat 20 Jahre lang in renommierten europäischen Häusern seine Erfahrungen gesammelt. „UNSERE GÄSTE SIND ECHTE GLOBETROTTER. SIE KENNEN DIE WELT UND WERDEN – ZU RECHT – IMMER ANSPRUCHSVOLLER.“Dabei verbrachte er 13 Winter in der Küche des legendären Arlberg Hospiz und kochte in so tren-digen Toplokalen wie dem Tristan auf Mallorca. Nach dem Prinzip „Man muss auch während der Saison ständig weiter experimentieren“ ist das sechsköpfige Team um Stefan Hofer immer für Ideen offen. Was daraus entstand und weiterhin entsteht, liest sich in den diversen Menüvorschlägen wie folgt: Wurzelcremesuppe mit Kernöl und Krebsen, Gänsestopfleber Variationen mit Birnen und Schokolade, zweierlei vom heimischen Schwein mit Kraut und Speck, rosa gebratener Rehrücken in der Schwarzbrotkruste mit Balsamico-Kirschen und Rosenkohl oder Schokoladen-Kürbis-Lavendel-Dessert. Kitzbühel hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Weltdorf des Wintersports entwickelt, wobei der Bezug zum Bodenständigen zu keiner Zeit verloren ging. Während das Sze-nelokal „Lois Stern“ mit feinsten asiatischen Schmankerln kulinarisch aus der Reihe tanzt, bestehen Bilderbuchgasthäuser wie „Zum Rehkitz“ auf der Bichlalm, die „Giggling Stuben“ oder der „Hallerwirt“ im benachbarten Oberaurach als beste Beispiele für veredelte Tiroler Küche. Jährliche Gastro-Events wie das Davidoff Gourmetfestival oder der S.Pellegrino Sterne-Cup der Köche dienen als Inspiration und Belebung der einheimischen (Berg-) Spitzengastronomie. Tops of the Alps“ aus kulinarischer Sicht gilt für immer mehr einstige Wirts-häuser und Berghütten – nicht nur in den Winterparadiesen Schweiz und Österreich. Und natürlich auch für kleine, schicke Berghotels, die nicht nur wegen ihrer Lage für wedelfreudige Gourmets zum Höchsten zählen, was es in den Alpen gibt ...

.... lesen Sie mehr im Heft 

zurück zum Umblättern

 
     
     
 
 
 
 
 
 
 
 
     
 

Check in bei Coppola

WIE WÄR’S MIT FRÜHSTÜCK IM CHALET VON ROBERT REDFORD? LUNCH IN DER URWALD-LODGE VON FRANCIS FORD COPPOLA? EINEM SUNDOWNER BEI GLORIA ESTEFAN IN SOUTH BEACH? ODER EIN PAAR NÄCHTEN BEI MICHAEL DOUGLAS AUF BERMUDA?

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als Regisseur Francis Ford Coppola im Regenwald von Belize auf eine abgelegene Hütte stößt. Hier, so beschließt er spontan, will er sich niederlassen und an neuen Drehbüchern schreiben. Nicht einmal in seinen kühnsten Träumen wäre ihm damals, 1981, eingefallen, dass dieser Entschluss der Beginn seiner Karriere als Hotelbesitzer sein könnte. Doch das Privathaus des Starregisseurs wird durch zahlreiche Anbauten immer größer, Freunde und Besucher immer zahlreicher, schließlich ist es ein veritables Hotel. So ähnlich geht es etlichen seiner Kollegen aus der Traumfabrik Hollywood. Von Berufs wegen an feudalste Herbergen gewöhnt, betten sie privat das berühmte Haupt lieber in kuschelige Daunen in romantischen Holzhäusern anstatt unter pompösen Baldachinen. So geschehen bei Robert Redford und seinem Kollegen Clint Eastwood, die ihren Hotelgästen lieber ganz zwanglos Butterbrot und Steaks servieren lassen, anstatt Kaviarhäppchen und Hummerschwänze. Natürlich gibt es auch Stars, die kommerzieller denken. So etwa George Clooney, Julio Iglesias, Leonardo di Caprio, Cameron Diaz und Modeschöpfer Oscar de la Renta, die ihr Geld entweder in weitläufigen Hotel- und Apartmentblocks anlegen oder sich an großen Ferienanlagen beteiligen. Meist überwiegen jedoch der eigene Geschmack und ganz persönliche Vorlieben: Bono, Frontmann der Kultband U2, Michael Douglas und Abba-Sänger Benny Andersson suchten sich passende Objekte an den Stätten ihrer Kindheit. Gloria Estefan fand ebenso wie Madonna Spaß am Renovieren eines Art Deco Schmuckstücks in Miami Beach, Naomi Campbell vermietet sogar ihr privates Refugium in einem Resort. Auch die Sportler sind im Vormarsch. Steffi Graf und Ehemann Andre Agassi planen zwei Sporthotels mit viel Wellness im Bundesstaat Idaho. Und Formel -Pro David Coulthard hat ebenso wie Film-Bösewicht John Malkovich schon soviel Gefallen am Dasein als Gastgeber gefunden, dass beide inzwischen Hotel Nr. 3 eröffnen. Doch zurück zu FILMREGISSEUR FRANCIS FORD COPPOLA: Seine „Blancaneaux Lodge“ mit romantischen Dschungel-Cabanas und modernen Stelzenbauten an einem Flussufer von Belize gehört inzwischen zu den exklusivsten Hotelanlagen Mittelamerikas. Der Hausherr hat die Räume mit Requisiten aus seinen Filmen ausgestattet, ist mächtig stolz auf sein eigenes Wasserkraftwerk, den original italienischen Pizzaofen und den hauseigenen Gemüsegarten und steht für Stammgäste auch gern mal selbst am Herd und kocht Pasta.„Ich möchte dieses Stückchen Erde schützen“, erklärt HOLLYWOODLEGENDE ROBERT REDFORD, als er 1961 im US Bundesstaat Utah in der Nähe von Park City einen ganzen Canyon von rund 2500 Hektar kauft. Zuerst baut sich der Pferdepflüsterer sein eigenes Haus, nach und nach kommen 96 rustikale Chalets aus reinen Naturmaterialien dazu, das ökologische Hoteldorf Sundance. Über die Jahre etabliert er das Resort auch als Forum für Filmemacher. Er selbst sitzt gern mit Freunden am Kamin und diskutiert bis spät in die Nacht hinein über neue Projekte. Inzwischen pilgert halb Hollywood zu seinem Sundance Filmfestival in die Bergwelt.

Stars und Sternchen reißen sich darum, in romantisch-rustikalen Pinienholzbetten unterm dicken Daunenbett zu kuscheln und durch kleine Holzfenster auf die Wälder des Mount Timpanogos zu schauen.Die Mischung aus Rüschenlook und ländlicher Romantik kommt auch gut an bei den Gästen der „Mission Ranch“ im kalifor-nischen Carmel an der malerischen Küste von Big Sur. WESTERNHELD CLINT EASTWOOD erwarb dort vor zwanzig Jahren „für eine Handvoll Dollar“ ein spanisches Missionshaus in spektakulärer Lage auf der Monterey Halbinsel, ließ die Ge-bäude aus dem 19. Jahrhundert aufwändig restaurieren und machte daraus ein kusche-liges Country Hotel. Dank seiner Hollywood-Dollars, mit denen er Land aufkauft und un-berührt lässt, bleibt die Naturidylle frei von Reklamewänden, Mc Donalds und Hot Dog Ständen. Dirty Harry macht sich in den nächsten Jahren zum Saubermann von Carmel, lässt sich sogar zum Bürgermeister wählen und engagiert sich sozial wie politisch dafür, dass die Künstlerkolonie, in der einst Hemingway und Jack London lebten, nicht zum schnöden Touristik-Hot Spot verkommt.Derartiges Engagement ist für FILM-BEAU GEORGE CLOONEY dagegen kein Thema. Er will möglichst viele Dollars verdienen mit seiner Investition in das Milliardenprojekt Las Ramblas im Spielerstaat Las Vegas. In der Wüstenmetropole werden zur Zeit alte Casinos niedergerissen, um aufwändigen Hotel-, Spiel- und Wohnanlagen Platz zu machen. Und Glücksritter George will wie in dem Erfolgs-Movie „Ocean’s Eleven“ mit dabei sein, wenn die Dagobert Ducks von Las Vegas den Kuchen neu verteilen. Zur Zeit steht der Bau des pazifikblauen Wohn- und Hotelkomplexes mit gleich mehreren Casinos zwar nur auf dem Papier, Clooney hat jedoch bereits Interesse an anderen modernen Glücksburgen in der Spielerstadt angemeldet, die dieses Jahr 75. Geburtstag feiert.POP-IKONE GLORIA ESTEFAN muss nicht einmal eigenes Geld investieren, als sie das „Hotel Cardozo“ in Miami Beach entdeckt. Damals in den neunziger Jahren genügt ein verliebter Blick und Ehemann Emilio schenkt seiner Frau das Art Deco-Prachtstück am berühmten Ocean Drive. Das exilkubanische Paar, mit 70 Millionen verkaufter Platten Mega-Stars in der Musikszene, steckte seitdem einige Millionen Dollar in das historische Gebäude von 1939 und machte es wieder zu einem Landmark im berühmten Art Deco Viertel South Beach. Inzwischen sind die 44 elegant in Creme und Weiß möblierten Zimmer und sieben Suiten mit Blick auf die Flaniermeile Ocean Drive und aufs Meer ständig ausge-bucht, ebenso wie das Restaurant Oriente mit lateinamerikanischer und asiatischer Küche. Außerdem ist das Cardozo ein begehrter Drehort für Hollywoodstreifen. ROBIN WILLIAMS, MATT DILLON und AL PACINO standen hier schon vor der Kamera. Und wenn Hotelchefin Gloria Lust und Laune hat, gibt sie für ihre kubanischen Freunde in der hoteleigenen Martini Bar am Ocean Drive eine Gratisvorstellung. Familiensinn bewies auch OSCAR-PREISTRÄGER MICHAEL DOUGLAS. In den fünfziger Jahren hatte er glück-liche Kindertage im „Hotel Ariel Sands“ auf den Bermudas verbracht, das seiner Mutter gehörte. 1996 kehrt er als Hollywoodstar auf die Insel zurück und entschließt sich kurzerhand, fünf Millionen ..

.... lesen Sie mehr im Heft 

zurück zum Umblättern