Maßarbeit

Das Faible für italienische Schuhe ist aus-
gerechnet bei einer Deutschen in besten Händen

Fotos Marina Denisova

I taliener sind eitel“, weiß Saskia Wittmer. Und auch: „Sie haben Geschmack.“
Doch nicht nur die Italiener. In ihrer winzigen Florentiner Schusterwerkstatt haben russische, indische und arabische Milliardäre ihre Füße entblößt. Bei einer Frau. Einer Deutschen noch dazu. Viel schlimmer kann es in Italien kaum kommen, wenn es um Handwerk und Leder geht. „In ein paar Monaten ist sie wieder weg“, unkten die Nachbarn, als die junge Schusterin 2001 ihr Atelier „Saskia carpe su misura“ im unglamourösen Viertel Porta al Prato eröffnete. Inzwischen hat sie zwei Mitarbeiterinnen ausgebildet und trotzdem lange Wartelisten. Denn mindestens drei Wochen dauert die Fertigstellung eines Paars Maßschuhe, mehr als vier bis fünf monatlich schafft der kleine Betrieb nicht.

Er verwendet nur erstklassiges Material: britisches Kalbleder oder Pferdeleder aus Chicago, Känguruleder aus Australien oder feinste indische Ziege. Am teuersten ist Kroko. „Ein Paar Mokassins aus Baby-Kroko kostet mindestens 6000 Euro“, erklärt die in Hamburg und Florenz ausgebildete „calzolaia“. „Wenn jemand Pech und sehr große Füße hat, kommen leicht noch mal 800 Euro dazu.“

Eine Dame, zu der Sie Geduld mitbringen müssen:

Saskia Wittmer

Sie macht daraus todschicke Mules mit zarten Riemchen um die Ferse. Die Nachbarn haben sich längst mit der Deutschen angefreundet. Sie kommen vorbei, bringen ein Glas Wein mit und sagen: „Ciao, bella, wann bekomme ich ein paar Schuhe von dir?“ Sie haben eben Geschmack, die Italiener.

Via di S. Lucia 24R, T. +39.055.29 32 91
saskiascarpesumisura.com