Unterwegs mit dem Ferrari am Arctic Circle

Eispartie im Ferrari GTC4Lusso

Was mache ich nur in Arjeplog? Mitten im eisigen Lappland? Elche beobachten? Hundeschlitten lenken? Nein, ich will den Cavallino Rampante reiten: auf dem größten und coolsten Autotestgelände der Welt

Also ehrlich, das hatte ich mir anders vorgestellt. Was man halt so erwartet, wenn man zu einem der exklusivsten Outdoor-Abenteuer aufbricht, das das Leben zu bieten hat. Aber das Silverhatten Resort im nordschwedischen Arjeplog atmet den Charme eines Bauarbeiter-Containers. Nur draußen vor der Tür wartet eben kein Bagger, sondern ein Ferrari GTC4Lusso, danach lechzend, dass jemand die 690 Pferdestärken unter der Ferrari-roten Motorhaube bändigt. Acht Monate im Jahr ist Arjeplog in Schwedisch Lappland, nur 70 Kilometer südlich des Polarkreises, ein ereignisloses Nest.

Im Winter wird der Hornavan-See Ferrariland. Hier kann der GTC4Lusso zeigen, was  das „quattro” bedeutet: Allrad und Vierradlenkung halten den 690-Ps-Boliden auch im Kreisel wie auf Schienen.

13 000 Quadratkilometer verschneiter Wildnis mit 500 Millionen Bäumen, 8727 Seen, geschätzten 20 000 Rentieren, 4000 Elchen, einem Dutzend Bären – und ganzen 2892 Einwohnern. Fünf Menschen pro Quadratkilometer. Einsamer geht’s nicht. Selbst den meisten Schweden sagte der Namen nichts, wären da nicht die anderen vier Monate: Von Dezember bis Anfang April mutiert die Region zum automobilen Dorado. Kein großer Autobauer, der hier nicht seine neuen Modelle auf Eis und Schnee und Herz und Nieren testen ließe – unter extremsten Bedingungen. Die Seen sind meterdick zugefroren, das Thermometer fällt schon mal auf minus 50 Grad. Doch genau darauf haben die Tester, Serviceleute und Ingenieure gewartet, die in diesen Monaten zu Aberhunderten in Arjeplog einfallen. Dann ist in der Umgebung kein Zimmer mehr zu kriegen. Sehr zum Leidwesen derjenigen Besucher, die mit röhrenden Motoren und Höchstgeschwindigkeiten nichts am Hut haben. Denen zeigt sich die Wildnis ganz zahm und einladend. Etwa zum Wandern über die endlosen, tief verschneiten Weiten. Wer nicht ganz so gut zu Fuß ist, nimmt einfach den Schlitten, egal ob mit Motor, Husky-Gespann oder Rentieren. Andere gehen Eis-Fischen, Mountainbiken oder auf Elch-Safari. Und nirgendwo sonst locken so wunderbare Langlauf-Loipen wie hier. Sogar für Alpin-Skifahrer ist gesorgt, mit immerhin drei bis zu eineinhalb Kilometer langen Pisten am Prästberg bei Arvidsjaur. Und das sogar rund um die Uhr: Im nordischen Winter sind Loipen und Pisten Tag und Nacht beleuchtet. Obwohl Lapplands Sterne immer funkeln und die ganze Landschaft silbrig blitzt und blinkt, wenn sich der Schein des Mondes im Schnee fängt. Mit etwas Glück kommt noch die Aurora borealis hinzu, die ihr ständig wechselndes Farbenspiel in den tiefblauen Himmel der Polarnacht zeichnet.

Vielleicht sollte ich irgendwann mal wiederkommen, um diesen Glamour zu genießen. Aber jetzt will ich, muss ich, dem Objekt meiner Begierde meine Reverenz erweisen. Der GTC4Lusso ist Adrenalin pur, auch wenn er als echter Viersitzer mit veritablem Kofferraum für einen Boliden dieser Klasse fast schon wie ein Kombi auftritt. Da knapp 700 Pferdestärken unterm Allerwertesten nicht zu meiner Alltagsroutine gehören, bekomme ich für den Umgang mit dem „Cavallino Rampante“ einen Pro am Steuer gestellt: Raffaele de Simone, ehemaliger Rennfahrer und Chef-Testfahrer im Ferrari-Stall. Ein vertrauensstiftendes Lächeln, ein ottes Brie ng, dann anschnallen – und ab geht’s mit Gebrüll. Zwölf Zylinder auf blankem Eis erst in wilder Jagd auf gerader Strecke, dann durch halsbrecherische Kurven, dass mir die Haare zu Berge stehen und gleichzeitig das Herz vor Freude hüpft. Raffaele lacht, seine Augen leuchten, und bei gefühlten 250 Stundenkilometern erklärt er mir das Geheimnis des sagenhaften Grips, während ich mich an alles klammere, was in meiner Reichweite ist: Der GTC4Lusso besitzt einen kleinen magischen Zauberknopf am Lenkrad, den mein Ferrari-Pilot zärtlich „Manuelito“ nennt und der aus einem Auto deren vier macht: je nach Einstellung perfekt abgestimmt auf Sport, Komfort, Nässe und Eis.

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