Seite 3 Anleitung zum Glücklichsein

Seither gilt dieser als Wunderwaffe gegen böse Geister und Sopsokha als Pilgerstätte für Paare mit Kinderwunsch. Den habe ich nicht, lieber als ein geschnitztes Mitbringsel erwerbe ich in der Ladengasse einen weichen Schal aus Baby-Yak-Wolle. Unser nächstes Ziel: das Punakha-Tal, dank seines milden Klimas die Kornkammer des Landes. Die Geschäfte in Punakha bieten Obst und Gemüse feil, an Schnüren aufgereihten Yak-Käse und Obstbrände. Das spirituelle Herz der Stadt schlägt in der Mönchsschule Chorten Ningpo und im Punakha Dzong. Die mächtige Klosterburg aus dem Jahr 1637 liegt mit ihren roten Dächern fotogen zwischen dem „Vaterfluss“ Pho Chuu und dem „Mutterfluss“ Mo Chuu. Jahrhundertelang wurden von hier das Königreich und seine Klöster verwaltet, und weil so viele gute Götter, Könige und nicht zuletzt ein Drachen für Fortune im Land sorgen, trägt der Dzong den Beinamen „Palast der Glückseligkeit“.

Punakha Lodge Buhtan Six Senses
Kühn schwebt das Haupthaus der Punakha Lodge über den Reisfeldern

Deutlich weltlicher ist das Glück bei der Happy Hour: Am Ufer des Vaterflusses, in Steinwurfweite zum in der Abendsonne erstrahlenden Dzong, serviert die Bar-Crew der Six Senses Punakha Lodge Martini-Cocktails, nach Wunsch geschüttelt oder gerührt. Happy stimmt uns auch die Lodge selbst, wegen ihres rustikalen Flairs und ihrer kühnen Architektur „Flying Farmhouse amidst the Rice Fields“ genannt: 16 auf Reisfelder und Bergwälder ausgerichtete Suiten verteilen sich auf vier Gebäude. Den Vitaminbedarf der Gäste deckt der eigene Gemüsegarten, an dem sich ungerührt auch mal Wildschweine gütlich tun, möglicherweise glücklich, den Tigern entkommen zu sein.

Tags drauf zuckeln wir weiter zum Six Senses Paro, ein schnörkelloses Schmuckstück aus warmem Holz, das über dem Nationalmuseum von Paro inmitten von Tempelruinen liegt. Nebenan lädt das Kloster Samtenling Lhakhang ein, im Schein von Glück und Weisheit spendenden Butterlampen sein Karma aufzuladen. Und die über dem malerischen Städtchen thronende Klosterfestung Rinpung Dzong gilt mit ihren vergoldeten Tempeldächern und Fachwerk-Malereien als Meisterwerk buddhistischer Architektur – die Bernardo Bertolucci übrigens 1992 für seinen Film „Little Buddha“ als Kulisse nutzte. Wie es sich für eine gelungene Inszenierung gehört, kommt das Beste zum Schluss: der Besuch im Taktshang Goemba, dem „Tigernest“.

Bhutan Reise Kloster
Drei Jahre soll Guru Rinpoche, der den Buddhismus nach Bhutan gebracht hat, dort meditiert haben, wo jetzt das Tigernest-Kloster im Felsen hängt. Heutzutage geht die Kommunikation leichter

Gut drei Stunden dauert der Aufstieg zu Bhutans bekanntestem Postkartenmotiv. Wer die Anstrengung der rund 800 Höhenmeter scheut, kann die erste Hälfte des Weges auf dem Rücken kleiner, drahtiger Pferde zurücklegen. Das schont zwar die Kräfte, macht aber Angst und Bange, so steil und steinig ist der Pfad, auf dem die armen Tiere nach oben stolpern. Auch für den letzten Anstieg sollte man besser schwindelfrei sein. Über Hunderte von Stufen geht es auf und ab, bis man am Kloster angekommen ist. Erst 2017 wurden Geländer angebracht, wofür wir Buddha im Stillen danken. Und dann sind wir da, wo alles seinen Anfang nahm. „Um 800 hat der Guru Rinpoche hier den Buddhismus nach Bhutan gebracht“, erzählt Galey. „Der Legende nach kam er aus Tibet auf dem Rücken einer Tigerin angeflogen.“ Vorbei an einer Gruppe Mönche aus Thimphu, die seit 15 Tagen im Kloster meditieren (und zwischendurch immer wieder ihre traditionellen Instrumente malträtieren), geht es zum Haupttempel. Leise flüsternd kündigt Galey an, dass der Lama des Klosters uns Audienz gewähren und in seinem Gebetsraum seinen Segen spenden wird. In Erwartung frommer Rituale betreten wir sein Allerheiligstes – wo uns der fromme Mann erst mal seine chromglänzende Kaffeemaschine präsentiert: „Cappuccino oder Espresso?“ Erst später gibt es gemurmelte Gebete und geweihte Bänder um die Handgelenke, die uns auf der Heimreise schützen und Glück schenken sollen.

Bergkloster in Bhutan

Das winkt schon am nächsten Tag: Weil die Maschine der Drukair auf dem Weg nach Delhi einen Zwischenstopp in Kathmandu einlegt, führt uns die Route direkt über die Achttausender des Himalaya. Lhotse, Manaslu, Mount Everest, Dhaulaugiri – der Flügel des Airbus A319 scheint an den Gipfeln zu kratzen. Ein Blick auf das Dach der Welt im gleißenden Sonnenlicht von oben, die schneebedeckten Bergriesen zum Greifen nah, ein Gefühl von Demut und freudigem Staunen (man fühlt sich klein und unwichtig und möchte doch vor Freude jubeln). So muss es Guru Rinpoche ergangen sein, als er auf seinem Tiger nach Bhutan geflogen kam.

Die beste Verbindung führt (etwa mit Lufthansa, lufthansa.com) über Delhi und weiter mit Drukair – Royal Bhutan Airlines nach Paro (drukair.com.bt). Für Visum und Einreise benötigt man die Einladung einer staatlich zugelassenen Agentur. Für die obligatorischen 250 US-Dollar pro Tag stellt die Agentur Guide, Verpflegung und Übernachtung im Drei-Sterne-Hotel. Wer es luxuriöser mag: siehe unter „book”.

Infos unter Tourism Council of Bhutan, tourism.gov.btbhutan

Unter dem Titel „Himalaya – hoch und heilig” bietet Windrose Finest TraveL, Berlin eine Zwölftagereise mit Aufenthalt in vier der fünf Six Senses Lodges und Luxushotels in Delhi für 9990 Euro pro Person. Durchwahl Asien-Team: 030.20 17 21-33

windrose.de

Die Hotelgruppe Six Senses hat 2019 vier Lodges eröffnet, in Paro, Thimphu, Punakha und Gangtey. Sie liegen in den westlichen und zentralen Tälern von Bhutan und zeichnen sich durch Design und Achtsamkeit aus. Im März dieses Jahres kam Bumthang dazu.

sixsenses.com