Urban Outlaw

Urban Outlaw

Magnus Walker

My Friend drives all Porsches Würden sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen? Wenn es ein Porsche sein soll – unbedingt! Magnus Walker, 51, besitzt die weltweit größte private Sammlung von Porsche-Oldtimern der Kult Baureihe 911

Urban Outlaw

Magnus Walker ist Stil-Ikone, Modedesigner und Unternehmer, „but first of all a Porsche driver“: Seine Sammlung an seltenen 911ern ist weltberühmt – und Millionen wert

 

Text: Mathias Forster und Susi von den Stemmen

Klamotten wie aus der Altkleidersammlung, die Arme voller Tattoos, Zottelbart, Rastazöpfe bis über die Hüften – was will der Mann im Porsche Zentrum? Ganz einfach: Er ist hier der Star. Vor einigen Monaten hat Magnus seine Auto-Biografie „Urban Outlaw“ geschrieben. Der Titel lag nahe, denn unter dem Alias kennen ihn die Oldtimer- Zirkel im World Wide Web. Weil das Buch auch auf Deutsch erschienen ist, tourte Walker daraufhin auf Oldtimer-Messen und in Porsche-Zentren durch Germany, um das Image der schwäbischen Kultmarke mit einer gehörigen Portion Rebellentum anzureichern. Entsprechend fanden sich nicht nur Gäste in tadellosen Anzügen, sondern auch Walker-Fans ein – mitsamt ihren abgefahrenen Autos, um dem prominenten Influencer zu imponieren. Einer von ihnen brachte sogar eine Motorhaube mit, die er sich signieren lassen wollte. Walker ist das fast ein bisschen peinlich: „Hey, Mann, ich bin doch nicht Iggy Pop.“ Und ob: der Porsche-Pop. Und er ist gut betucht, im wahren Sinn des Wortes. Das verdankt er seinem Gespür für die Launen des Zeitgeistes: Walker kam mit Mode zu Geld, mit einem Label, das Serious Clothing heißt – ausgerechnet.

California Dreaming Heute verdient Magnus Walker sein Geld großteils mit der Vermietung seiner Porsche Halle als Location für Hollywoodfilme, Musikvideoclips und Fashionshootings. Auch die Zuffenhausener kommen gerne, um neue Modelle zu präsentieren
 

Die Outfits, für die es steht, sind mit der Stil-Etikette „Shabby Chic“ noch freundlich umschrieben. In der Hauptsache ist der 51-jährige Brite, der seit 30 Jahren in Los Angeles lebt, ein leidenschaftlicher Sammler von Porsches der Modellreihe 911. Und eine Art Philosoph ist er auch: „Das Leben ist nur ein kurzes Gastspiel. Da sollten wir die Freiheit feiern, statt Konventionen zu huldigen.“ So betrachtet, hat Walker vieles richtig gemacht in seinem Leben.

Geboren in der grauen englischen Industriestadt Sheffield, war sein Gemüt früh auf Flucht gebürstet: „Irgendwann hat sich meine Vision von Freiheit im Kopf materialisiert“, erinnert er sich, „und zwar als Fluchtfahrzeug. So wurde ich zum Auto-Enthusiasten.“ Um ihm eine Freude zu machen, nahm ihn sein Vater zu einer Motor Show in London mit – wo sich Walker junior auf der Stelle in einen Porsche 911 verguckte. „Ich starrte das Wunderding an und wusste: Das ist mein Traum. So ein Auto muss ich haben.“ Aber wie sollte er sich diesen Traum je leisten können? Diese Frage stellte sich der Heranwachsende erneut, als er in den Heavy-Metal- Kellern Sheffields abtauchte. Und er kam zu dem Schluss: „Hier wird das nichts mit dem Porsche.“ Mit 19 Jahren sagte Walker der Heimat ade und organisierte sich einen Ferienjob in den Staaten. „Anschließend hatte ich gerade genug Geld für den Führerschein und einen gebrauchten Toyota Corolla“, erinnert er sich. Dann fuhr er nach Kalifornien. Und weil ihn dort viele junge Leute neugierig auf sein eigenwilliges Outfit ansprachen, kam ihm die Idee, auf Flohmärkten zerschlissene Klamotten zu kaufen, sie extravagant herzurichten und entsprechend teuer weiterzuverkaufen. Das Timing war perfekt: Punk wurde gerade gesellschaftsfähig, das Second-Hand- Geschäft am Strand von Venice Beach florierte, und seine Brand Serious Clothing avancierte zur Kultmarke. Als selbst Celebrities wie Alice Cooper, Madonna oder Bruce Willis Walkers wilde Mode überstreiften, musste er sich keine Gedanken mehr um die Finanzierung seiner Leidenschaft machen: „Mein erster Porsche war ein 1972er-911-T und kostete mich 7500 Dollar“, erzählt er. Aber das war erst der Anfang:

„Das Leben ist nur ein kurzes Gastspiel. da sollten wir die Freiheit feiern, statt konventionen zu huldigen“

 

„In Amerika lernt man, groß zu träumen.“ Also fasste er den Plan, einen ganzen Fuhrpark von Neunelfern anzuschaffen. „Mein Forschungsdrang kickt mich jeden Tag aufs Neue“, sagt Walker, „nur wenn ich von jedem Jahrgang des 911er ein Exemplar habe, kann ich seine Evolution verstehen.“ Das bedeutete: Es musste eine großzügige Räumlichkeit her. Seine Traumimmobilie spürte Walker in einem ehemaligen Industriegebiet in Downtown Los Angeles auf, das gerade zum Szeneviertel für junge Kreative mutierte. Er restaurierte das Warehouse, verkleidete die Backsteinwände mit Porsche-Postern und baute das Obergeschoss zur Lodge aus. Die Halle im Erdgeschoss blieb für seine Lieblinge reserviert: Rund 40 Porsches parken dort heute, die meisten sind Neunelfer aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Aber im Gegensatz zur klassischen Behandlung, die Oldtimer von ihren Sammlern gewohnt sind, parkt er sie nicht nur, sondern braust mit ihnen durch Stadt und Land: auf Rennstrecken mit Vollgas, in der Metropole mit gebremster Lust, auf den Highways viel schneller als erlaubt – was ihm in den Medien wie bei der Polizei den „Urban Outlaw“ eingetragen hat sowie ganze Kollektionen von Strafzetteln. „Meine Traumstraßen in Kalifornien sind der Pacific Coast Highway rund im Big Sur und die Straße von LA nach Palm Springs über die Berge auf den wilden Serpentinen.“ Seit Neuestem macht Walker auch die Dominikanische Republik unsicher: „Alle reisen wegen der Strände an, ich wegen der Urwaldpisten. Da kann man wunderbar rumheizen.“ Regelmäßig lädt er Videos von seinen Touren hoch – Ähnlichkeiten mit Szenen aus der Kultfilmserie „Fast & Furious“ sind nicht beabsichtigt, aber unvermeidlich.

Rebel With a cause Walker am Steuer eines seiner Lieblinge. Die Polsterung im Kiltlook hat der gebürtige Brite selbst entworfen.

Das kratzt natürlich am äußeren Erscheinungsbild seines Fuhrparks. Walker ist das nur recht: „Tipptopp ist das Schönheitsideal von gestern“, verkündet er forsch, „ein Porsche will gefahren werden – und das hinterlässt nun mal Spuren.“ Anders gesagt: Erst durch Dellen, Rost und Staub gewinne das Auto seine Seele: „Früher musste alles makellos sein, der kleinste Kratzer reichte, den Verkaufswert zu halbieren.“ Bis er mit seiner neuen Interpretation von automobiler Ästhetik einen Trend setzte:

Anzeige