London after dark

London after dark

London after dark

Wer die neuen Adressen an der Themse entdecken will, muss früh aufstehen

 

Text und Fotos: Michael Hannwacker  

Es spricht ja grundsätzlich nichts dagegen, die Nacht mit dem Brunch zu beginnen. Vor allem dann nicht, wenn es eine turnschuhfitte Gospel’ n’Soul Band als Beilage gibt. Im Red Rooster (45 Curtain Road, T. +44.20.31 46 45 45, redroosterldn.com), dem Londoner Spinoff seines Erfolgslokals in Harlem, lässt Barack Obamas Lieblingskoch Marcus Samuelsson Soulfood anrichten, dessen Extra-Kalorien man gleich abtanzen kann.

Oder auf dem Weg ins Zentrum – Zwischenstopps: Barbican Art Gallery? British Museum? – ablaufen. Die Bar für den PreDinnerDrink würde man jenseits von nüchtern kaum finden. In einer versteckten Seitengasse der Regent Street hat sich Erik Lorincz, ExHeadBartender der „American Bar“ im Savoy, im Keller des marrokanischen In-Treffs „Momo“ etabliert.

Kwãnt (25 Heddon Street, T. 743 440 40, kwantlondon.com) heißt das stilistisch irgendwo zwischen Tiki und Casablanca angesiedelte Etablissement.

Beschwingt und belebt von einem durch die Aero Press gefilterten Coffee Negroni, taucht man wieder auf – für den kurzen Weg über die Oxford Street zum Norma (8 Charlotte Street. T. 39 95 62 24, normalondon.com). Der in ganz London umschwärmte Küchenchef Ben Tish hat das schlanke Townhouse in Fitzrovia wie eine sizilianische Nobeltrattoria in Tanger konzipiert; Jay Rayner, der gefürchtete Gastrokritiker des „Guardian“, hob es kürzlich als „Place of joy“ in den Himmel. Dennoch, es wäre schade, sich nach dem Wechsel hinter die Shoji-Screens im TOKii (50 Great Cumberland Place. T. 77 24 04 86, tokii.co.uk), nur zwei Blocks vom Marble Arch entfernt, nur auf die Karte mit den Sake und japanischen Whiskys zu konzentrieren.

Die Zauberwerke der Sushi-Meisterin und die Köstlichkeiten vom Robata Grill verdienen wenigstens etwas Appetit. Und der Absacker? Sozusagen auf dem Weg zum Hotel liegt, in einer fast schon brutalistischen Werkstattarchitektur an der Old Street, das neue Projekt des World’s Best Bars Favoriten Alex Kratena, Tayer + Elementary (152 Old Street, kein T., tayer-elementary.com), ein minimalistisches Versuchslabor voller geglückter Experimente.

Für die Nacht gefällt The Curtain (45 Curtain Road, T. 31 46 45 45, thecurtain.com, ab 300 Euro): grandiose Betten, Frühstück in einem etwas zu lichten Glashaus auf dem Dach mit Freiluftpool im Schatten der Hochhausprojekte in Shoreditch direkt daneben und einer ausgeschlafenen Tagesbar gleich neben der Lobby. Bleibt noch: ein Lunch im Siren (15 Beeston Place, T. 77 69 44 85, thegoring.com/food-drink/siren/) im Wintergarten des majestätischen Goring Hotels. Dort serviert Nathan Outlaw aus Cornwall beste britische Fischküche.