Provence
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Auf Aix

Wer in der Provence geboren wurde, soll Cézanne einmal formuliert haben, sei verloren – weil einem nichts anderes mehr gefiele. Ganz besonders gilt dieser Satz für seine Geburtsstadt, Aix-en-Provence: honigfarbene Barockbauten, von Platanen beschattete Plätze – und nicht zuletzt die Weinschlösschen in der Umgebung.

Text: Evelyn Pschack von Rebay

Diese vier Châteaux feiern die provenzalische Art de Vivre, mit märchenhaften Schlafsalons, hauseigenen Rosés und grandiosen Chefs, auch besternten, in den Schlossküchen. Denn, oui, oui: la gourmandise ist die Lieblingssünde der Aixois …

Château de Fons Colombe

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit? Hier werden Sie fündig.

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Nur 20 Minuten vom Zentrum, aber auf dem Lande, inmitten von Weinreben. Seit 2017 ein Fünf­Sterne­Hotel, wirkt das Château immer noch, als habe jemand nur versehentlich die Flügeltüren offen gelassen: Wer hindurchschlendert, erblickt Kristalllüster und chinesische Wandtapisserien. Der erste Schlossherr, Denis Boyer de Fonscolombe, belieferte Versailles mit Seidentapeten und stat­tete auch sein eigenes Schlösschen damit aus. In den 1960er­Jahren kam Queen Mum zu Besuch, hin­terließ im Park eine Zeder und bewohnte das heutige Zimmer 203. Das zeigt sich immer noch splee­nig­herrschaftlich, mit marmorner Badewanne, groß wie ein Dorfbrunnen, vier Meter hohen Stuck­decken und schmiedeeisernem Balkon mit royalem Blick auf den englischen Landschaftsgarten.
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In Fonscolombe ist die Zeit stehen geblieben. Und 11:11 Uhr die wichtigste Zeit des Tages. Da stopp­te die Turmuhr just zu der Minute, da die heutige Besitzerfamilie die Verkaufspapiere unterschrieb. Die nahm es als gutes Omen, reparierte die Mechanik nicht, sondern verwandelte das denkmalge­schützte Anwesen behutsam in ein Relais & Châteaux­Hotel. Und verpflichtete Küchenchef Marc Fontanne, der bereits mit Anne­ Sophie Pic oder Yannick Franques am Herd stand.
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Mithilfe der Cocktailkreationen in der Bar (die aussieht, als habe Renoir sie gemalt) lässt sich der Zeit zudem ein Schnippchen schlagen: Den „11.11“ mit Cognac, Grand Marnier und Pfirsichlikör sollte man probieren. Oder den „Lupio & Lemon“, gewidmet den Hoteleseln, die zwischen Reben grasen: eine Mixtur mit Crème de Limoncello und estragon­parfümiertem Olivenöl. Auch tagsüber lässt sich im Park gut trödeln: Ein Pétanque­Spiel unter Platanen, wie wär’s?

DZ ab 250 Euro, 3301 Route de Saint Canadet, Le Puy-Sainte-Réparade, relaischateaux.com/de/hotel/chateau-de-fonscolombe/provençe

Château de la Gaude

Sushi, Swarovski und die Sainte­Victoire

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Ländliches Idyll, eine Viertelstunde mit dem Autos nordöstlich des Zentrums von Aix: Dies ist das Idealbild einer Bastide aus dem 18. Jahrhundert, inmitten von Reben und Olivenbäumen. In sattem Buttergold erstrahlen die Mauern aus sogenanntem Pierre de Rognes (den ihrerzeit bereits die Rö­mer nahe Aix abbauten) nach der 2019 finalisierten Verwandlung in ein Fünf­Sterne­Haus. Wer die Schloss auffahrt hinabspaziert, erblickt am Horizont die Sainte­Victoire, jenen Kalk riegel also, den Cézanne zu malen nie müde wurde.

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Die Extravaganzen seines Besitzers: Didier Blaise hat sein Glück mit dem – inzwischen verkauften – Online­Reifenhandel Allopneus gemacht, jetzt setzt der Aixois neue Maßstäbe im Hotel­ Business. Sei es, dass er seinem Château (bei nur 20 Gästezimmern und Suiten) vier Restaurants beschert. Und eine pompöse Kunstsammlung. Einen High­ Tech­ Weinkeller samt 30 000 ausgesuchten Fla­schen. Oder die gutseigene Wein­ Produktion en agriculture biologique. Auch toll: der mit Swarovski­ Steinen, Straußenfedern und Blattgold verzierte Helikopter von Joana Vasconcelos in der Brasserie, den Didier Blaise bei einer Ausstellung im Schloss von Versailles vom Fleck weg erstand.

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Beschränken Sie sich auf Nachmittage am Pool oder im denkmalgeschützten jardin à la française – bis der Appetit kommt. Dann macht man sich auf, etwa ins japanisch inspirierte „Kaiseki“ oder zur pro­venzalisch basierten Küche des „Le Art“, inzwischen besternt. Küchenchef Matthieu Dupuis Bau­mal, zunächst ein Rugby­Profi, verbindet südfranzösische Produkte und Omakase­Gastronomie.

Chambre classique im Schlossgebäude ab 480 Euro, 3959 Route des Pinchinats, Aix-en-Provence, relaischateaux.com/de/hotel/chateau-de-la-gaude/

Château la Coste

Blue­Chip­Kunst zwischen Demeter­zertifizierten Reben

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In der 6000­ Seelen­Gemeinde Le Puy­Sainte­Réparade, auf halber Strecke zwischen Aix­en­Pro­vence und dem Naturpark Luberon gelegen, locken gleich zwei Weinschlösschen: neben dem bereits beschrie benen Château de Fonscolombe triumphiert das Château La Coste.

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Es sind über 40 Werke aus den Ateliers der allerersten Künstlerriege, die sich auf dem hügeligen Are­al zwischen Demeter­zertifizierten Reben und autochthonen Sträuchern versammeln: eine „Crou­ching“ Spider von Louise Bourgeois, ein Eisenbahnwaggon von Bob Dylan, ein Selbstportrait von Tracey Emin oder ein Wunschbaum von Yoko Ono. Der irische Hotelentwickler Patrick McKillen hat 2002 das heruntergewirtschaftete Weingut erstanden, komplett umgekrempelt und eine museums­reife Kunstsammlung aufgebaut. Auf den Anhöhen ruht die verschwiegen­luxuriöse Villa La Coste, mit großen Fensterfronten hin zu Pinien und Weinbergen und 28 hell designten Suiten, zehn davon mit eigenem Pool. Die amerikanische Künstlerin Jenny Holzer hat auf ihren „Truism Benches“ in Kalkstein graviert: „Sich gehen zu lassen, ist die grausamste aller Enttäuschungen“. Dieser Ort wider­spricht dieser vermeintlichen Weisheit. Er ist wie gemacht dafür, um sich gehen zu lassen.

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Kunst schauen, Wein trinken, den Winzern im futuristisch anmutenden Keller – entworfen von Pritz­ker­Preisträger Jean Nouvel – bei der Arbeit zuschauen. 1 200 000 Flaschen werden jährlich abgefüllt, aus 65 Prozent davon schimmert es in schönstem Rosé. Wunderbar trinken lässt sich der zu Tisch beim argentinischen Open­Fire­Cooking­Guru Francis Mallmann auf dem Schlossareal. Oder natür­lich auch im besternten Hotelrestaurant von Hélène Darroze.

DZ ab 800 Euro, 2750 Route de la Cride, Le Puy-Sainte-Réparade, villalacoste.comprovençe

Villa Baulieu

Ein Majordomus und Wein vom Boden des Vulkans

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Sie residieren in einem Château à l’italienne aus dem 16. Jahrhun­dert, das sich im Besitz der Comtes de Provence befand – und die wussten, wie man herr­schaftlich residiert. Auch heute kann man sich auf rund 1500 Quadratmetern in der Villa Bau­lieu ausbreiten: Salons, Biblio­thek, Speisesaal, ein Hammam im einstigen Taubenturm, Früh­stück in der Orangerie. Zwölf elegante Suiten stehen für Über­nachtungsgäste zur Verfügung. Etwa die „Suite Venise“ mit Pa­noramablick über terrassierte Gärten, Brunnenanlagen, das glamouröse Schwimmbecken und allerhand an Zierbusch­F ormschnittgärtnerei.

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Man fühlt sich wie le comte et la comtesse. Umso mehr, da die Villa seit 2023 nicht mehr als Fünf­Sterne­Haus geführt, sondern von der Luxusgruppe Airelles als höchst exklusive Ferienimmobilie betrieben wird. Auf Wunsch mit eigenem Butler, Pardon, major-dome, und Küchenchef. Wenn Letzterer aufkocht, nutzt er Ingredienzien vom Landgut; immerhin wird auf den 300 umliegenden Hektar einiges angebaut: Sauce hollandaise mit Trüffel von den Län­dereien, Törtchen mit eigenen Mandeln, alles gerne begleitet von Hausweinen: Ein 2019er AOP Cô­teaux d’Aix­en­Provence Ex Imo Volcani? Der Winzer erklärt, dass der ins Flaschenglas reliefierte Schriftzug darauf verweist, dass der Wein im längst abgekühlten Innern des einzigen Vulkankra­ters der Provence gedeiht.

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Heiraten. Besonders schön lässt sich das Ehegelübde im Nymphäum ablegen, einer kleinen Grotte auf dem Anwesen. Ansonsten lustwandelt man durch den weitläufigen Garten, springt in den spek­takulären Außenpool und vertraut darauf, dass der Majordomus diskret hinter einem Pfeiler des Poolhäuschens frische Handtücher ablegen wird (tut er!). Die Villa, nur wochenweise, samt Koch und Majordomus zu mieten, kostet ab 120 000 Euro/Woche, Domaine de Beaulieu, CD14C, Route de Beaulieu, Rognes, villabaulieu.com

Categories: Travel Schlagwörter: , | Comments 6468 La vie en Rosé

La vie en Rosé

Das Hinterland der Côte d´Azur punktet mit Postkarten-Landschaften und idyllischen Bergdörfern. Und mit dem schönsten flüssigen Blassrosa der Welt

Text: Clara Silberstein, Fotos: Marvin Zilm

Das populäre Château de Minuty wird gern besucht. Auch von diesen Beauties

Ein Schild kennzeichnet die Stelle, an der wir die kurvenreiche Landstraße verlassen und in einen schnurgeraden Schotterweg einbiegen: Domaine Mirabeau. Der Blick vom Einfahrtstor entspricht dem klassischen Provençe-Klischee – hinter weizengelben Kornfeldern und leuchtend grünen Weingärten steht ein Natursteinhaus mit blassblauen Fensterläden und schlanken Zypressen vor der Tür. Später kommen blühende Lavendel- und dichte Rosmarinsträucher hinzu, dann stehen wir vor einer strohgedeckten Terrasse mit großzügiger Lounge-Ecke und einem Esstisch für zehn Gäste. Die Domaine Mirabeau ist eines von vielen zauberhaften Weingütern der Provence. Und gilt unter Kennern doch als etwas Besonderes: komplett biologisch, kleine Produktmengen, viele Auszeichnungen.
Es gehört Jeany und Stephen Cronk, sie vom Tegernsee, er aus England, und ist das Resultat einer gelungenen Aussteigergeschichte. „Der Wunsch nach einem Weingut in Südfrankreich geisterte lange durch unsere Köpfe“, erzählt Jeany Cronk, während sie einen Flasche ihres Bestsellers Pure entkorkt. „Mit drei kleinen Kindern und guten Jobs in London schien er allerdings eher unrealistisch“. Aber dann ging es doch. 2009 zog das Paar mit Kind und Kegel nach Südfrankreich und begann fast sofort, Wein zu produzieren – zunächst nur mit Assemblagen aus dem Traubensaft von Zulieferern, aber gleich auf hohem Niveau. Zehn Jahre später fand das Paar das verwunschene Weingut im Naturschutzgebiet Reserve Naturelle des Maures. „Wir hatten gut 40 Objekte besichtigt, bevor wir uns für dieses entschieden haben“, erinnert sich Jeany Cronk. „Es sollte uns eigene Trauben liefern und unseren Weinen eine Art Heimat bieten, aber auch als Gästehaus, Veranstaltungsort und Location für Foto-Shoots dienen“. Heute ist Mirabeau ein komplett regenerativ arbeitender, bio-zertifizierter landwirtschaftlicher Betrieb mit 14 Hektar Reben, die zwischen Hafer, Klee und wilden Bohnen stehen oder sich über die Melonen, Zucchini und Tomaten eines Gemüsebeets ranken. „Bloß keine Monokultur“, sagt Jeany Cronk. „Je vielseitiger die Bepflanzung, desto gesünder der Boden, desto kräftiger die Reben und desto besser der Wein“.

Mit Wein ist in der Provence vor allem Rosé gemeint, rund 100 Millionen Flaschen werden hier jedes Jahr produziert. Die Reben dazu – Grenache, Cinsault, Syrah, Tibouren, Rolle und andere – wachsen auf gut 20000 Hektar sandigem Kreideböden, die sich von Saint Raphaël über Saint-Tropez bis fast nach Toulon am Mittelmeer erstrecken und bis tief ins Hinterland der Küste reichen.
Wer auf der Halbinsel von Saint-Tropez zum berühmten Pampelonne-Strand oder an die malerische Bucht von Gigaro fährt, kommt an endlosen Weingärten und an den prächtigen Gutshäusern unzähliger Weingüter vorbei.
Direkt unterhalb des mittelalterlichen Bergdorfs Gassin steht das von Reben umgebene Herrenhaus von Régine Sumeire – ihr Rosé zählt zu den besten in Frankreich. Als sie 1977 Château Barbeyrolles erwarb und die Weinberge auf nachhaltige Landwirtschaft umstellte, stand die Appellation Côtes de Provençe noch für Massenweine und Strand-Rosés – nichts, was Madame Sumeire auch nur ansatzweise interessierte. „Ich wollte einen Rosé vinifizieren, der deutlich besser und deutlich heller sein sollte als die anderen aus der Region“, erzählt sie. „Freunde aus der Champagne brachten mich auf die Idee, die bei ihnen üblichen hydraulischen Pressen einzusetzen“. Damit werden die Früchte ganz sanft gepresst und der Saft hat nur sehr kurz Kontakt mit den Farbpigmenten der Häute. Das Resultat: ein leuchtender, heller Wein mit einer frischen und feinen Aromatik. Nach ein paar Jahren Arbeit an der Methode und den Assemblagen kamen 1985 die ersten Flaschen „Pétale de Rose“ auf den Markt – der ikonische, lachsfarbene Rosé war geboren.
Inzwischen benutzen fast alle Winzer der Provençe die Champagner-Pressen, auch die direkten Nachbarn von Régine Sumeire auf dem renommierten Weingut Minuty. Die Geschwister François, Jean-Étienne und Marie-Aline Matton-Farnet leiten den Familienbetrieb in vierter Generation – der Hype um die blassen Rosés von nebenan ist ihnen nicht entgangen. Anfang der 1990er-Jahre wurden junge Reben gepflanzt, neue Weintanks gekauft, eine eigene Abfüllanlage installiert und ein modern gestalteter Verkostungsraum eingerichtet. Besucher, die sich an der großen quadratischen Theke von gut geschulten Mitarbeiter die Minuty-Rosés einschenken und erklären lassen, bekommen vier ausgesprochen helle Weine zu probieren: Vom fruchtig-leichten Bestseller „Minuty M“ über die gastronomischen Cuvées „Préstige“ und „Château Minuty OR“ bis zum Top-Produkt „Château Minuty 281“, der aus den ältesten Grenache-Trauben der Domaine entsteht. Durch Glaswände sind die Barrique-Fässer für die Rotweine des Weinguts zu sehen, im Keller glänzen 203 Hektoliter fassende Stahltanks, im Park steht zwischen 200-jährigen Platanen, mannshohen Hortensien- und Oleandersträuchern ein um 1860 von den italienischen Vorbesitzern errichtetes Herrenhaus, das von der Familie genutzt wird.

Rosige Bestseller

Kein Wunder, dass der Besitz Begehrlichkeiten weckt. Seit März 2023 gehört Minuty mehrheitlich zum LVMH-Konzern, wie auch schon das Weingut Château d‘Esclans, dessen Whispering Angel als weltweit meistverkaufter Rosé gilt. Damit hat sich Bernard Arnaults Luxus-Konglomerat die Nr. 1 (Château d‘Esclans mit einer Jahresproduktion von 14 Millionen Flaschen) und Nr. 2 (Minuty mit ca. neun Millionen Flaschen) der Côte-de-Provençe-Weingüter gesichert und zugleich die Wertigkeit und den Bekanntheitsgrad der ganzen Region in die Höhe katapultiert. Nr. 3 in der Rangliste ist übrigens Miraval mit sieben Millionen Flaschen im Jahr, doch dieses Weingut gehört – nach dem Rosenkrieg mit Angelina Jolie zumindest zur Hälfte – Brad Pitt, der ebenso wenig an Verkauf denkt wie seine Hollywood-Kollegen George Clooney (Domaine du Canadel) und George Lukas (Château Marguii), deren Reben allerdings keine nennenswerten Mengen produzieren.
„So mancher Winzer in unserer Region glaubt jetzt, er könne für seine Weinparzellen und Trauben Preise wie im Burgund oder in der Champagne verlangen“, amüsiert sich Hotelier Christophe Vallet. Er selbst gehört nicht dazu. Sein kleiner Weinberg in den Hügeln hinter Saint-Tropez reicht gerade mal für gut 1000 Flaschen des Bio-Rosés Clos Bellevue, der ohnehin nur jenen Insidern bekannt ist, die einen Tisch oder ein Zimmer in seinem verwunschenen Hotel La Ferme d‘Augustin reserviert haben. Der Wein passt perfekt zur hausgemachten Foie Gras oder zum mit Tomaten und Fenchel im Ofen gegarten Drachenkopf, der auf der mit Glyzinien wuchernden Terrasse serviert wird.

Die Terrasse gab es schon in den 1950er-Jahren, als Christophe Vallets Großvater Augustin mit der Bewirtung von Gästen begann. Seine unprätentiöse, aber auf guten Produkten basierende Küche war in kürzester Zeit so erfolgreich, dass seine Frau ein paar Räumlichkeiten für all jene einrichten musste, die gar nicht mehr wegwollten. Heute verfügt das Hotel an der Route de Tahiti über 46 großzügige, in schlicht-schönem Landhausstil eingerichtete Zimmer und Suiten, ein exzellentes Spa und einen Pool, dessen ionisiertes Wasser kleine Wunder auf der Haut bewirkt. „Wir haben 85 Prozent Stammgäste, die jedes Jahr wieder kommen, manchmal sogar zweimal“, erzählt Marie-Laure Vallet. Kein Wunder! La Ferme d‘Augustin ist ein echtes Hideaway, obwohl Saint-Tropez keine zehn Fahrminuten entfernt ist und die fünf Kilometer lange Plage de Pampelonne fast direkt vor der Tür liegt. Der Strand gilt als Top-Adresse für People Watching, vor allem die Beach Clubs gelten als Hotspots des Jetsets.

Rosé am Strand

Als Top-Location für Liegen und Lunch gilt das in der Mitte der Bucht platzierte La Réserve à la Plage – ein von Philippe Starck mit lässigem Schick eingerichtetes Strandrestaurant. Hier verwöhnt der talentierte Küchenchef Nicolas Cantrel eine gut betuchte Klientel mit aromatischen Mittelmeer-Langusten und zartestem Côte de Boeuf vom Wagyu-Rind. „Notre bestseller?“ – die hübsche Bedienung lacht. „Tout“, sagt sie, aber wer sich umschaut, sieht auf jedem zweiten Tisch eine üppige Portion getrüffelter Pommes und eine Flasche des hellrosafarbenen Hausweins Château de Mascaronne. Im Hintergrund perlen die coolen Klänge des Haus-DJs, im Vordergrund glitzert das Meer, dazwischen sonnen sich gut aussehende Menschen, die ihr offenbar sorgloses Leben genießen.
„Ich habe mir einen charmanten, freundlichen und familiären Ort gewünscht, der fernab der Modetrends liegt und authentischen Werten entspricht“, sagt Michel Reybier, Gründer und Inhaber der Michel-Reybier-Hospitality-Gruppe, zu der das Restaurant und das Luxushotel La Réserve in Ramatuelle gehören. Das biologisch arbeitende Weingut Château La Mascaronne hat der in der Schweiz lebende Franzose vor drei Jahren übernommen mit dem offen erklärten Ziel, einen der besten Weine der Provençe zu produzieren.
Auch andere Unternehmer schmücken sich gerne mit einem Weingut in der Provençe. Angrenzend an die Reben von La Mascaronne stehen die der Commanderie de Peyrassol, dem Weingut von Philippe Austruy, Gründer der SIS Group, die in den Bereichen personenbezogene Dienstleistungen und Pflege, Immobilien und Lebenskunst aktiv ist. Monsieur Austruy ist aber auch ein passionierter Kunstsammler, der seinem Weingut eine eigene Kunsthalle mit Arbeiten von weltweit bekannten Größen wie Anish Kapoor, Michelangelo Pistoletto, Niki de Saint-Phalle oder Frank Stella beschert und weitere großformatige Werke hier und dort zwischen die Reben gestellt hat. Letztes Jahr kamen über 20000 Besucher in die wenig touristische Gegend zwischen den Ortschaften Le Luc und Flassans-sur-Issole – ihr Interesse an den in der hohen, futuristischen Verkaufs- und Degustationshalle präsentierten Weinen war ebenso groß wie das an der auf dem Gut ausgestellten Kunst.
Weiter südlich, gleich hinter der wild-schönen Bucht von Gigaro stehen die Reben der Domaine de la Croix. Das Crû-Classé-Weingut gilt mit seinen 110 Hektar als größter Besitz am Golf von Saint-Tropez und gehört Vincent Bolloré, dessen 200 Jahre alte Holding sich mit Papier, Häfen, Medienbeteiligungen und dem Musik-Label Universal Music einen festen Platz unter den 500 weltgrößten Unternehmen gesichert hat. Knapp 90 Prozent der rund 700000 jährlich produzierten Flaschen sind Rosé, alle Trauben stammen von eigenen Weingärten, die weitläufige Kellerei ist unter dem schönen Garten des Gutshofs aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Top-Produkt ist die Cuvée Empereur, dessen bestenfalls 2000 Flaschen pro Jahr zum Stückpreis von 79 Euro verkauft werden, doch als Bestseller gilt die Einsteiger-Cuvée Irresistible. „Sie ist, was ihr Name verspricht“, sagt Kellermeister Roy Rebergen, „ein fruchtig-frischer Rosé, der perfekt zu einem lauen Sommerabend in der Provençe passt“. Unwiderstehlich.

Adressen

Weingüter

Domaine Mirabeau Jeany und Stephen Cronk produzieren nicht nur vier exzellente und mehrfach ausgezeichnete Rosés, sondern auch Weißweine, Rote und neuerdings einen Gin auf Rosé-Trauben-Basis. Auf dem Weingut kann
man auch wohnen: in einem charmanten Bauernhaus mit Pool oder, mit etwas Glück, im großen Haupthaus. D74, La Garde-Freinet, T. +33.4.94 37 40 02, maisonmirabeau.com
Domaine de la Croix Wer von der Plage de Gigaro kommt und neugierig das von der Straße aus sichtbare schöne Anwesen ansteuert, findet nicht nur exzellente Weine, sondern auch einen traumhaften Garten mit unter hohen Arkaden
verteilten Tischen. Insider kommen am frühen Abend, bestellen ein paar der vor Ort zubereiteten Snacks zum Rosé und genießen den Blick in den Sonnenuntergang.
816 Boulevard de Tabarin, La Croix Valmer,
T. +33.4.94 95 0175, domainedelacroix.com
Château Barbeyrolles Ein Rosé, ein Rotwein, ein Weißwein, alle zum gleichen Preis von 24 Euro – „keep things simple“ scheint das Motto von Régine Sumeire zu sein. Zur Verkostung an einen der wenigen Tische vor dem Verkaufsraum setzen und die Landschaft genießen. 2065 Route de la Berle, Gassin, T. +33.4.94 56 33 58, barbeyrolles.com
Minuty Die Domaine ist seit 1936 in Familienbesitz, seitdem hat sich vieles verändert. Den größten Sprung machte das Weingut 1990, als die jetzige Generation alles
modernisierte. Heute wird Minuty-Rosé – darunter fünf Millionen Flaschen M – in 135 Länder verkauft. 2491 Route de la Berle, Gassin, T. +33.4.94 56 12 09, minuty.com
Château La Mascaronne Im Gegensatz zu den meisten Provençe-Weingütern wird hier etwas mehr Rot- und Weißwein produziert, dazu auch ein elegantes Olivenöl aus den Früchten der alten, zum Weingut gehörenden Bäume. Als Top-Rosé gilt die neue Cuvée Grande Reserve
aus 60 Jahre alten Grenache-Trauben.
RN 7, Le Luc en Provence, T. +33.4.94 39 45 40. chateau-lamascaronne.com
Commanderie de Peyrassol Das Anwesen, im 13. Jahrhundert von einem Templerorden als Herberge für Pilger auf dem Weg ins Heilige Land gegründet, widmet sich seitdem Landwirtschaft und Weinbau. Heute beeindruckt das innovative Weingut mit einer großartigen Kunstsammlung, nettem Bistro, Gourmet-Restaurant und ein paar bezaubernden Gästezimmern für Übernacht.
RN 7, Flassans-sur-Issole, T. +33.4.94 69 71 02,
peyrassol.com

Restaurants


La Réserve à la Plage „The place to be“ am Strand von Ramatuelle empfängt mit bequemen Liegestühlen und einem totschicken Restaurant gleich dahinter. Küchenchef Nicolas Cantrel verwöhnt mit einer nur scheinbar unprätentiösen Küche: Die perfekt gegrillten Fische stammen aus der Bucht vor der Tür, das aromatische Gemüse von Bio-Bauern aus der Region. Route de l’Epi-Pampelonne, Ramatuelle,
T. +33.4.94 96 39 88, lareserve-plage.com

Ultimate Provence Das zu einem Weingut mit Small-Luxury-Hotel gehörende Restaurant gibt sich glamourös und partyfreudig. Auf der Terrasse mit Blick auf die hauseigenen Weinberge und lässt man sich Zucchini-Fritters, Thunfisch-Tataki oder Linguine mit Garnelen und den UP-Rosé schmecken.
7270 Route du Luc, La Garde-Freinet, T. +33.4.94 85 29 10, ultimateprovence.com
La Verdoyante Zauberhaftes Terrassenrestaurant in den Weinbergen unterhalb von Gassin. Am Herd steht Laurent Mourellet, der seine hochwertigen Produkte mit größtem Respekt behandelt. Zu den Lieblingsgerichten zählen die hausgemachte Foie Gras, eine fantastische Bouillabaisse und ein Winzer-Sorbet. 866 Chemin Vicinal de Coste Brigade, Gassin, T. +33.4.94 56 16 23, la-verdoyante.fr
Bello Visto Das beste Restaurant auf der spektakulären Place die Barri in Gassin mit Blick über die Bucht von Saint-Tropez. Auf den weißgedeckten Tischen werden klassische Mittelmeer-Spezialitäten wie Felsen-Oktopus-Casserole serviert. Zum Restaurant gehört ein charmantes Sieben-Zimmer-Hotel. Place dei Barri, Gassin, +33.4.94 56 1730, bellovisto.eu

Hotels


La Ferme d‘Augustin Kurz hinter Saint-Tropez und kurz vor dem langen Pampelonne-Strand führt eine gut verborgene Einfahrt zu einer Handvoll Natursteinhäuser. Die 46 Zimmer und
Suiten sind in angenehm unprätentiösen Provençe-Stil möbliert, das Restaurant gehört zu den besten der Region und im eleganten kleine Spa werden die hervorragenden Anwendungen des Genfer Wellness-Tempels Fleurs de Cotton angeboten. Ab 300 Euro, 979 Route de Tahiti, Ramatuelle, T. + 33.4.94 55 97 00, fermeaugustin.com
La Réserve Ramatuelle Acht Zimmer und 19 Suiten in den Hügeln hinter Saint-Tropez, von Star-Designer Jean-Michel Wilmotte in unangestrengt luxuriös gestaltet. Mit Naturfarben, viel Licht und klaren Linien schuf er ein Ambiente, das intim, warm und elegant wirkt. Küchenchef Éric Canino wurde für seinen südländischen Kreationen mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. DZ ab 950 Euro, 736 Chemin des Crêtes, Ramatuelle,
T. +33.4.94 44 94 44, lareserve-ramatuelle.com
La Vigne de Ramatuelle Romantisches, zwischen Weinbergen und direkt hinter der Plage de Pampelonne gelegenes 16-Zimmer-und-Suiten-Hotel mit hellen, luftigen Räumen, einem schönen Garten, großer Terrasse und einem Restaurant mit feiner, gesundheitsorientierter Mittelmeerküche.
DZ ab 315 Euro, 436 Route de Collebasse, Ramatuelle, T +33.4.94 79 12 50, lavignederamatuelle.com
Mas de Chastelas Die Bastide aus dem 18. Jahrhundert steht zwischen Gassin und Saint-Tropez in einem großen mediterranen Garten. Antike Terrakotta-Fliesen, viel Weiß und helle
Naturfarben prägen die Räume. Im Garten locken ein schöner Pool und ein Restaurant mit feiner Mittelmeer-Kost. Ab 400 Euro, 2 Chemin du Chastelas, Gassin, T. +33.4.94 56 7171, chastelas.com
Château de Valmer Die leicht erhöhte Lage beschert dem Relais & Château-Haus am Ende einer prächtigen Palmenallee inmitten eigener Weinberge sensationellen Meerblick. 41 Zimmer
und Suiten in elegantem Provençe-Stil und ein Sterne-Restaurant, das hauseigene Rosé Palmeraie de Valmer serviert. Ab 365 Euro, 81 Boulevard de Gigaro, La Croix Valmer,
T. +33.4.94 55 15 15, chateauvalmer.com

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